Facebook Messenger: Quo vadis?

Während das soziale Netzwerk Google+ fast unbemerkt vom Netz geht, sorgt Facebook schon wieder für neue Schlagzeilen. Denn Mark Zuckerberg gab bekannt, dass auch die Nutzer von Instagram und WhatsApp in Zukunft plattformübergreifend den Messenger nutzen können. Aber was bedeutet das genau für die User? Werden wir in Zukunft nur noch eine App auf dem Smartphone brauchen, um alle drei Dienste nutzen zu können? Oder werden die Messenger von Facebook, WhatsApp und Instagram etwa zu einer ‘Superplattform’ zusammengelegt?

Die Hintergründe der Verknüpfung

Die E-Mail wäre wohl nie zu so einem Erfolgsmodell geworden, wenn man sie nur innerhalb eines bestimmten Anbieters versenden könnte. Auch mobile Telefone hätten sich nie durchgesetzt, könnten wir damit nicht auch Festnetznummern und die Kunden anderer Mobilfunkanbieter anrufen. So eine Einschränkung in der Kommunikation wäre schließlich vollkommen witzlos. Trotzdem haben wir als User bisher klaglos hingenommen, dass wir Messenger nur innerhalb bestimmter Portale nutzen können. Wenn eine Freundin nur bei Instagram ist, können wir ihr per FB-Messenger eben keine Nachricht schicken, so einfach ist das.

Dieses Problem will Zuckerberg jetzt lösen und der Forderung nach ‘Interoperabilität’ nachkommen. Was klingt wie ein komplizierter Zungenbrecher, bezeichnet eigentlich nur die reibungslose Zusammenarbeit unterschiedlicher Systeme. Und für die User der einzelnen Plattformen aus dem Facebook-Imperium bedeutet es, dass sie zukünftig Nachrichten von WhattsApp in den Facebook Messenger versenden können oder vom Facebook-Messenger zu Instagram. Das ist definitiv anwenderfreundlich und wird die Marktpräsenz von Facebook und seinen Töchtern weiter ausbauen.

Datenschutz oder Datenschatz?

Um das plattformübergreifende Versenden von Nachrichten möglich zu machen, wird für alle beteiligten Plattformen eine gemeinsame technische Infrastruktur benötigt. Es wird also noch eine Weile dauern, bis Zuckerberg seine Pläne wirklich in die Tat umsetzen kann. Aber wie steht es um den Datenschutz? Facebook hat in den letzten Jahren viel Kritik für seinen Umgang mit Daten eingesteckt und das vollkommen zu Recht. So gelten Gespräche im Facebook Messenger bisher nicht als privat und werden regelmäßig von Mitarbeitern auf Regelverstöße überprüft. Um die Nutzung der Messengerdienste von Plattform zu Plattform sicher zu machen, verspricht das soziale Netzwerk nun eine sogenannte 'End-to-End’-Verschlüsselung einzurichten. Dabei werden die übertragenen Daten auf ihrem Weg über die verschiedenen Übertragungsstationen so verschlüsselt, dass sie wirklich nur für Sender und Empfänger sichtbar sind. Die Kommunikation im Messenger wird dadurch spürbar sicherer.

Und wie steht es mit der zentralen Sammlung und Zusammenführung der Daten? Mit diesem Punkt beschäftigen sich nicht nur die User, sondern auch das Bundeskartellamt: Nach einer nun 3 Jahre andauernden Untersuchung kommt das Amt zu dem Schluss, dass Facebook seine Marktposition ausnutzt, indem es den Datenschutz untergräbt und den Wettbewerb beeinträchtigt.

Ein zentraler Zusammenschluss der Daten aus den vier verschiedenen Plattformen (Facebook Messenger, Instagram & WhatsApp) scheint also vorerst nicht realisierbar.

Was bedeutet das für Werbetreibende?

Werbetreibende müssen sich keine Sorgen machen, denn auch bei komplett verschlüsselten Nachrichten und ohne zentrale Datenquelle sagen die Metadaten genug über die User aus, um Werbeeinblendungen auch in Zukunft auf die jeweilige Zielgruppe anpassen zu können. Die Profile der Nutzer und die Uhrzeiten, zu denen sie App-übergreifend kommunizieren, reichen aus, um die Reichweite einzelner Kampagnen zu erhöhen und damit neue Kunden gewinnen zu können.

Fazit

Die plattformübergreifende Verbindung der verschiedenen Messenger gibt Werbetreibenden nun endlich die Möglichkeit komplexere Multichannel-Kampagnen zu erstellen und damit Reichweiten und Conversions zu steigern. Aber auch die Konsumenten profitieren von relevanteren Anzeigen, in Kanälen die auch tatsächlich genutzt werden, sowie von erhöhter Datensicherheit durch die geplante End-to-End Verschlüsselung. Eine gelungene Win-Win Situation wenn ihr uns fragt ;)